Heimweh…
Im letzten Jahr durften wir so viele schöne Momente mit unserer Familie und unseren Freunden erleben. Von spontanen Treffen zum Kaffeetrinken oder Essengehen, Spiele- und Filmabende über Kurzurlaube mit Freunden in Holland, bis zu Familienfeiern und Übernachtungen bei Freunden. All diese Erinnerungen sind mir unglaublich wertvoll. Gleichzeitig verursachen sie, dass ich Heimweh bekomme und mich nach Zeit mit genau diesen Menschen sehne.
Im praktischen Unterricht mit meiner Lehrerin Pao sprechen wir oft über Erlebnisse und Urlaube im letzten Jahr. Der Sinn dahinter: ich lerne die verschiedenen Vergangenheitsformen und wende sie an. Einerseits ist es schön sich zu erinnern und auch darin zu schwelgen. Andererseits wird das Heimweh präsenter und rückt die Freude über diese Erinnerungen etwas in den Hintergrund. Heimweh kann auch das Wiederauftauchen von Herausforderungen verursachen, die eigentlich schon lange bewältigt waren. Durch die räumliche Trennung von der Familie und den Freunden entsteht eine gewisse Verletzbarkeit. Denn das gewohnte Umfeld schützt und stärkt. In der Fremde muss sich so ein Schutzraum erst wieder neu aufbauen und stärkende Beziehungen entstehen selten von Jetzt auf Gleich. Wir fühlen uns hier nicht einsam, da wir Kontakt zu anderen Missionaren haben und sehr freundliche, hilfsbereite und aufmerksame Lehrer in der Sprachenschule. Aber wir sind getrennt von unserer Familie und von unseren Freunden, in sofern sind wir allein. Dieses Alleinsein wird durch die Unterschiede zwischen unserer Heimat und Peru mal mehr mal weniger stark betont. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld das ein gewisses Maß an Energie fordert.
Friede!
Andererseits ist Gottes Friede sehr spürbar, wir leben in diesem Frieden. Er ist das Fundament unseres Alltags. Wir sind abhängig von Gott, nicht nur weil wir auf Spendenbasis leben und darauf vertrauen müssen, dass Gott uns materiell versorgt. Wir sind noch viel mehr geistig von ihm abhängig und dürfen unseren Glauben dadurch stärken und tiefer werden lassen. Abhängig zu sein bedeutet für mich in diesem Kontext nichts Negatives, viel mehr schenkt uns diese Abhängigkeit Freiheiten und ermöglicht uns Wachstum und Veränderung. Ich lebe diese Abhängigkeit, in dem ich jeden Morgen im Gebet zu Gott komme, mich sprichwörtlich vor ihn knie und mich daran erinnere, dass ich sein geliebtes Kind bin, dass ich in ihm frei bin von aller Schuld, allen Unsicherheiten und Lügen, die ich irgendwann mal geglaubt habe. Ich beginne also meinen Tag, indem ich diese Identität anlege und mich darauf berufe, dass ich als Gottes Kind in seiner Hand bin und somit am besten Ort, den es überhaupt gibt.
In Philipper 2 werden wir dazu aufgefordert, so zu denken und zu handeln, wie Jesus es tat. Gar keine leichte Aufgabe. Dazu gehört es nicht nur den Menschen so zu begegnen, wie Jesus es tat, sondern auch die Beziehung zu Gott auf ähnliche Weise zu gestalten. Und was tat Jesus, als er Frieden und Nähe zum Vater brauchte? “Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten.“ (Lukas 6,12)
Das Beste, dass ich in all dem Umbruch und den neuen Herausforderungen des Alltags tun kann, ist es Gottes Gegenwart zu suchen und darin Frieden und Kraft zu schöpfen.
(Hannah)
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