Inzwischen sind die ersten Wochen im Krankenhaus vergangen und ich finde mich immer besser in meine neuen Aufgaben ein. Vor unserem Umzug nach Peru wussten wir natürlich schon ungefähr, was Hannah und mich bei Diospi Suyana erwartet. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, jetzt tatsächlich jeden Morgen ins Krankenhaus zu gehen und nach und nach festzustellen, was alles zur Arbeit in der Verwaltung gehört.
Und das ist tatsächlich eine ganze Menge. Meine Arbeitstage sind dabei ziemlich abwechslungsreich. Es gibt einige Aufgaben, die regelmäßig anstehen, andere kommen spontan dazu und sorgen dafür, dass der Tag am Ende doch ganz anders aussieht als morgens gedacht.
Deshalb möchte ich euch in der nächsten Zeit immer mal wieder einen kleinen Einblick in die verschiedenen Bereiche meiner Arbeit geben. Den Anfang macht dabei ein Thema, von dem ich vorher nicht gedacht hätte, wie viel Zeit es tatsächlich in Anspruch nehmen kann: unser (Bar-)Geld-Management.
Ohne Geld läuft auch ein Missionskrankenhaus nicht
Ausblick aus meinem Büro (Morgens)
Ausblick aus meinem Büro (Abends)
Ein großer Teil meiner Arbeit dreht sich um die Finanzen des Krankenhauses. Jede einzelne Zahlung, die Diospi Suyana tätigt, läuft bei meinem Kollegen und mir über den Schreibtisch und muss geprüft und genehmigt werden. Auch jede Bankzahlung wird von uns selbst ausgeführt und jede Erstattung muss von uns freigegeben werden. Das können kleinere Rechnungen sein, aber natürlich auch entsprechend große Beträge.
Eine Besonderheit hier in Peru ist dabei, dass nach wie vor sehr viel mit Bargeld gearbeitet wird. Dementsprechend gehört auch die Bargeldverwaltung zu unseren Aufgaben. Zweimal in der Woche wird die Kasse des Krankenhauses von uns geleert, dann zählen wir das Bargeld und anschließend müssen wir dafür sorgen, dass es zur Bank kommt. Von dort aus wird das Geld unter anderem dafür verwendet, die Gehälter der peruanischen Mitarbeiter zu bezahlen.
Eigentlich klingt das erst einmal relativ einfach: Geld zählen, zur Bank bringen, fertig - Das ist aber noch nicht alles.
Denn wir brauchen gleichzeitig regelmäßig neues Wechselgeld für die Kasse und vor allem für den Automaten, an dem die Patienten bezahlen. Und genau dieses Wechselgeld zu bekommen, kann erstaunlich kompliziert sein.
Dass wir so viel mit Bargeld und vor allem mit kleinen Beträgen zu tun haben, liegt auch daran, dass die Behandlung bei Diospi Suyana bewusst sehr günstig gehalten wird. Für eine Erstuntersuchung zahlen unsere Patienten gerade einmal 4 Soles – also ungefähr einen Euro. Und das übrigens schon seit der Eröffnung des Krankenhauses im Jahr 2007. Auch weitere Untersuchungen, Behandlungen und Operationen kosten nur einen Bruchteil dessen, was normalerweise dafür bezahlt werden müsste.
Ein großer Unterschied zum Ablauf eines Krankenhausbesuchs in Deutschland: Die Patienten haben ihre Erstuntersuchung (Consulta) und bezahlen anschließend die Rechnung (4 Sol) direkt an der Kasse. Auch für alle weiteren Behandlungen, Medikamente und Untersuchungen werden Rechnungen ausgestellt, die direkt an der Kasse bezahlt werden. Dieser Ablauf soll verhindern, dass Rechnungen offen bleiben und ist in Peru generell übliche Praxis.
Insgesamt tragen die Patienten nur ungefähr ein Drittel der tatsächlichen Kosten des Krankenhauses. Möglich wird das unter anderem durch Spenden, Sachspenden und Missionare wie uns, die sich über ihren eigenen Spenderkreis finanzieren und deshalb kein Gehalt vom Krankenhaus bekommen.
So hilft letztendlich jede Spende dabei, dass ein Quechua oder ein anderer bedürftiger Patient hier für sehr wenig Geld eine gute medizinische Behandlung bekommen kann.
Das bringt uns allerdings wieder zurück zum Wechselgeldproblem: Die Bankfilialen hier in Curahuasi können uns nämlich kaum damit versorgen. Eher im Gegenteil: Einen großen Teil ihres Bargeldes bekommen sie von uns. Wir wurden bereits von ihnen angerufen und gefragt, wann wir denn wieder zum Einzahlen kommen können. Also fahren wir regelmäßig nach Abancay, etwa zwei Stunden entfernt, oder Cusco, etwa dreieinhalb Stunden entfernt, und versuchen dort, bei größeren Banken an genügend Münzen zu kommen.
Aber auch das ist nicht immer erfolgreich. Mal sind die gewünschten Münzen nicht vorhanden, mal sollen wir später am Tag wiederkommen und manchmal heißt es, dass vielleicht im Laufe der Woche wieder welche verfügbar sind. Besonders schwer zu bekommen – zumindest aus unserer Sicht – sind 5-Sol-Münzen.
In Cusco gibt es sogar eine Zweigstelle der peruanischen Zentralbank. Dort sollte man meinen, dass das Problem endgültig gelöst wäre. Nach einer ziemlich langen Wartezeit bekommt man dort allerdings beispielsweise auch nur maximal zwei Rollen mit 5-Sol-Münzen, also insgesamt 40 Stück. Mehr dürfen pro Tag nicht ausgegeben werden. Das reicht bei uns maximal für das Wechselgeld für ein bis zwei Tage. Man könnte größere Mengen Münzen zwar auch bestellen, allerdings sind die Versandkosten dafür so hoch, dass es sich nicht lohnt.
So kann eine Aufgabe, die in Deutschland vermutlich mit einem kurzen Besuch bei der Hausbank erledigt wäre oder gar nicht erst auftritt, hier schnell einen halben Tagesausflug nach Abancay oder sogar eine Tagestour nach Cusco bedeuten.
Da der Automat an der Kasse natürlich trotzdem weiterlaufen muss, kontrollieren wir ihn jeden Morgen und füllen das benötigte Wechselgeld wieder auf. Langsam entwickelt man dabei einen ganz neuen Blick auf 5-Sol-Münzen.
Das Thema Bargeld ist damit nur ein kleiner Teil meiner Arbeit hier im Krankenhaus – aber einer, bei dem man mal wieder feststellen kann, dass manche Dinge in Peru einfach etwas anders funktionieren als in Deutschland.
Und so gehören zu meinem abwechslungsreichen Arbeitsalltag inzwischen nicht nur Rechnungen, Überweisungen und Freigaben, sondern eben auch das Zählen von Geld, Fahrten zur Bank und die regelmäßige Suche nach Wechselgeld – vor allem 5-Sol-Münzen.
Was sonst noch alles auf meinem Schreibtisch landet, beschreibe ich euch dann in einem der nächsten Beiträge.
Auf dem Weg zur Arbeit begegnen einem auf der Straße nicht nur Hunde, sondern auch Kühe, Pferde, Ziegen, Hühner, Schweine, ...
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