Wie kommt man als Deutscher in Peru an einen Führerschein? Da gibt es erst einmal die Möglichkeit diesen neu zu machen, dies kann jeder Peruaner und Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung tun. Diesen Weg haben auch schon viele andere Mitarbeiter in Diospi Suyana gehen müssen. Das Problem dabei sind die Prüfungen in Peru. Speziell hier in Arequipa berichten übereinstimmend alle Einheimischen und Auswärtigen vom gleichen Problem: Bei der praktischen Prüfung ist es fast unmöglich (auf legalem Wege) zu bestehen. Bei einem Millimeter über der Seitenlinie oder der Haltelinie fällt man sofort durch. Natürlich hängt das auch vom Prüfer ab. Unser Taxifahrer José meinte beispielsweise, dass von 100 Leuten nur ca. 10 beim ersten Versuch bestehen – davon 3 durch Können und 7 durch eine “Extragebühr”. Auch andere Missionare berichten von diversen Versuchen – vor allem hier in Arequipa.
Deshalb haben wir uns sehr gefreut, als wir von einer anderen Möglichkeit gehört haben: man kann den deutschen Führerschein auch umschreiben lassen. In dem Fall muss man nur einen medizinischen und den Theorie Test machen. Also haben wir uns darüber informiert und angefangen den Prozess zu starten.
Als erstes mussten wir eine beglaubigte Übersetzung unserer Führerscheine erhalten. Dafür haben wir den deutschen Honorarkonsul in Arequipa kontaktiert, damit dieser unseren deutschen Führerschein übersetzt und bescheinigt, dass die Klasse B der peruanischen Klasse für Autos entspricht.
Glücklicherweise haben wir von einer Bekannten aus der Gemeinde die Telefonnummer erhalten und haben ihn daraufhin kontaktiert. Nach kurzer Zeit hat er uns geantwortet und hat die Dokumente vorbereitet. Eigentlich hätten wir sie nach knapp 2 Tagen abholen können. Allerdings kam es dann zu einem Trauerfall in seiner Familie, weshalb wir insgesamt eine Woche gewartet haben.
Mit den Unterlagen mussten wir dann nochmal zum Notar, um diese nochmals beglaubigen zu lassen (Das ist in Peru sehr üblich - Der Notar gehört zu den sehr regelmäßigen Besuchen bei uns). Dort erfuhren wir allerdings, dass die Dokumente des Honorarkonsuls mit digitaler Unterschrift dort nicht akzeptiert werden. Also haben wir beim Honorarkonsul auch nochmals die ausgedruckte Variante angefragt und ich habe diese am späten Abend bei ihm zuhause abgeholt. An dieser Stelle wollen wir auch betonen, dass der Honorarkonsul uns eine unkomplizierte Unterstützung und sehr hilfsbereit war!
Mit diesen Dokumenten sind wir am nächsten Tag nach der Schule also wieder zum Notar. Jetzt stimmte alles, und der Service musste nur noch bezahlt werden – Allerdings nicht im Büro des Notars, sondern bei der “Interbank”. In dem Zusammenhang müsst ihr wissen, dass das Büro des Notars jeden Tag nur bis 14:00 Uhr geöffnet ist und wir zu dem Zeitpunkt bereits 13:40 hatten. Und es war Freitag. Alsor bin ich durch die Mittagshitze zur Bank gerannt, wir wollten den Prozess schließlich endlich starten. Tatsächlich war ich um exakt 13:59 wieder beim Büro und sie haben den Antrag noch angenommen.
Allerdings sollten wir die Dokumente erst den kommenden Freitag abholen können - wieder eine Woche warten. An besagtem Freitag konnten wir die Dokumente dann endlich problemlos abholen.
Für die folgende Woche haben wir direkt einen Termin in einer “Policlinico” gemacht. Dort wird der medizinische Test für den Führerschein abgelegt. Auch hier hat uns die Bekannte in der Gemeinde eine Empfehlung und eine Nummer gegeben. In der nächsten Woche haben wir also einen Vormittag die Schule ausfallen lassen und sind stattdessen zu Klinik gefahren. Dort angekommen wurden wir auch direkt aufgenommen und haben einen Bluttest, einen Augentest, einen Hörtest, einen allgemeinen Gesundheitscheck und einen psychologischen Test ablegen müssen. Grade der psychologische Test war etwas seltsam: Von mathematischen Aufgaben, über Fragen zum Verhalten in bestimmten Situationen, bis hin zu der Bedeutung von peruanischen Sprichwörtern war gefühlt alles dabei. Gerade bei Themen wie den Sprichwörten haben wir eher geraten. Insgesamt habe zumindest ich in der Zeit nichtmal die Hälfte der Fragen beantworten können - was aber tatsächlich auch niemanden interessiert hat.
Nach Abschluss von all dem waren wir wieder vorne am Schalter und der Besitzer hat uns erklärt, dass wir nun damit zum Verkehrsministerium müssen. Das liegt zum Glück nicht weit entfernt, also sind wir direkt losgezogen. Dort haben wir einerseits erfahren, welche weiteren Dokumente wir noch brauchen, aber andererseits auch, dass auf meiner Bescheinigung des medizinischen Tests ein Fehler war. Dort stand: “Neubeantragung des Führerscheins” und nicht “Umschreibung des Führerscheins” wie bei Hannah. Damit kam ich nicht weiter. Also sind wir direkt zurück zur Klinik, damit das korrigiert werden konnte.
Dort angekommen haben die Mitarbeiter das auch sofort eingesehen, es gab allerdings ein Problem: Das Dokument musste neu erstellt werden. Dafür musste ich den Test komplett nochmal durchlaufen. Und da die Kliniken in Peru durch das Ministerium stark kontrolliert werden, musste ich auch immer in die installierten Kameras schauen, bevor ich zu den entsprechenden Tests ging. Außerdem gibt es festgelegte Zeiten für jeden einzelnen Test: 15min für jeweils Augen-, Hör-, Blut-, Gesundheitstest. Außerdem eine Stunde für den psychologischen Test und nochmal eine halbe Stunde für die Dokumentation. An diesen Zeiten können auch die Mitarbeiter nichts ändern, also musste ich die fast drei Stunden nochmal dort absitzen. In der Zwischenzeit hat unser Taxifahrer José die Kinder vom Kindergarten zu uns gebracht und Hannah war nochmal beim Ministerium, um einige Fragen zu klären und ein Dokument zu besorgen, das unseren Wohnsitz in Peru bestätigt.
Nach insgesamt fast 8 Stunden war ich dann endlich mit der medizinischen Prüfung durch – das Ministerium war aber zu dem Zeitpunkt schon geschlossen.
Während ich in der Klinik sitze, stehen Hannah und die Kinder scheinbar vor verschlossener Tür eines Parks.
Zum Glück vermag Gott viel mehr, als wir es uns manchmal vorstellen können. So auch Türen zu öffnen, die für uns zunächst verriegelt scheinen.
Nach bestandener Theorieprüfung ein Eis!
Also sind wir am folgenden Tag mit unserem “Dokument zur Wohnungsbestätigung” und einer Stromrechnung unserer Wohnung zum Notar, damit dieser das Dokument für uns beglaubigt. José ist auch mit uns gekommen, da bei vielen Dokumenten für Ausländer ein Peruaner mitunterschreiben muss. Diesmal dauerte es auch nur knapp 30 Minuten und wir konnten das Dokument direkt wieder mitnehmen.
Den nächsten Tag gingen wir dann nach der Schule wieder zum Ministerium um endlich den Antrag für Passierschein A38 ... ähm ich mein natürlich die Umschreibung zu stellen. Dafür haben wir über eine Stunde gebraucht, da sehr viel Betrieb war und die freundliche Mitarbeiterin immer wieder einige Dinge bei den Kollegen nachfragen musste. Während der kompletten Zeit hat José liebevoll auf die Kinder aufgepasst, wofür wir sehr sehr dankbar sind. Aber schlussendlich und mit vielen Erklärungen unsererseits und vielen Fragen von der anderen Seit hat es dann tatsächlich funktioniert und wir konnten einen Termin für die theoretische Prüfung am nächsten Tag machen.
Am Tag der Prüfung waren wir sehr aufgeregt, aber wir hatten immerhin schon seit Wochen dafür geübt. In Peru gibt es insgesamt ca. 200 mögliche Fragen in der Theorie-Prüfung (In Deutschland sind es 1170). Damit war der Aufwand zwar überschaubar, aber die Sprache machte das ganze etwas kompliziert. Nicht das sich die Autofahrer in Peru auch nur an ein paar der Regeln halten würden, aber lernen muss man sie für die Prüfung trotzdem. Die Wartezeit vor der Prüfung haben wir uns mit einer sehr netten Peruanerin unterhalten. Sie selbst schien sehr aufgeregt wegen des Tests und freute sich über die Ablenkung. Während der Unterhaltung kamen wir von einem Thema zum anderen und schließlich zu der Frage, warum wir überhaupt in Peru sind. Diese beantworten wir stehts sehr offen und erzählten ihr von Diospi Suyana. Sie selbst ist nur ein paar Autostunden von Curahuasi entfernt aufgewachsen und so kannte sie die Stadt und auch das Missionskrankenhaus gut. Diese Begegnungen haben wir hier (und auch in Deutschland) nicht selten und sind immer wieder dankbar für die Möglichkeit von diesem großartigen Projekt und vor allem von Gott zu erzählen.
Wir haben die Prüfung beide problemlos bestanden und konnten danach beim Ministerium den Antrag für den Führerschein stellen. Schon nach drei Tagen konnten wir unsere “Licencia de Conducir” zügig und ohne Komplikationen abholen.
Der Besitzer der Sprachenschule hat uns später erzählt, dass wir die ersten Schüler bei ihm waren, die diesen Prozess ohne endlose Diskussionen und Probleme bei der Behörde und auch ohne Korruption geschafft haben. Für diesen Segen sind wir sehr dankbar und glücklich.
Wir sind Gott unendlich dankbar für diese Möglichkeit des Umschreibens. Auch wenn der Prozess insgesamt sehr spannend (und manchmal auch stressig) war, mussten wir keine praktische Prüfung ablegen und niemanden Geld in die Hand drücken.
Kommentar hinzufügen
Kommentare