Eine neue Windschutzscheibe – direkt am Straßenrand

Veröffentlicht am 26. September 2026 um 00:17

Die Windschutzscheibe unseres kürzlich gekauften Fortuners war eigentlich völlig in Ordnung. Kein Riss, kein Steinschlag. Das Problem war die starke Tönung. Tagsüber bei Sonne störte sie kaum, aber bei Dämmerung, Dunkelheit oder Regen sah man auf den kurvigen Andenstraßen wirklich schlecht. Auf Dauer war uns das zu unsicher, und ehrlich gesagt hat es uns auch einfach genervt. Dazu kommt, dass eine getönte Frontscheibe in Peru gar nicht erlaubt ist. Also beschlossen wir, dass eine neue Windschutzscheibe hermusste.

Praktischerweise gab es noch einige weitere Dinge für mich in Cusco zu erledigen. Ich fuhr also an einem Freitag morgens um 5 Uhr in Curahuasi los und war gegen 8:30 Uhr an meinem ersten Ziel in Cusco: einer Straße, in der sich ein Autoglasgeschäft an das nächste reiht. Das fällt einem hier immer wieder auf. Geschäfte derselben Branche gibt es oft direkt zu Dutzenden nebeneinander. Zum Glück hatte mir mein Kollege Louis schon einen Laden empfohlen. Dort fragte ich nach einer Scheibe für unseren Fortuner und wurde direkt fündig: Die Scheibe war auf Lager (Ersatzteile für Toyota sind in Peru meist leicht zu bekommen).

Eine Werkstatt hatte keiner der Läden dort, aber das war offensichtlich auch gar nicht nötig: Der Fortuner blieb einfach vor dem Laden am Straßenrand stehen. Dort schnitten die Mitarbeiter die alte Scheibe heraus, säuberten den Rahmen und setzten die neue mit frischen Dichtungen ein. Ich stand daneben, schaute zu und aß mein mitgebrachtes Frühstück. Nach etwa 45 Minuten war alles fertig. Die einzige Auflage: In den nächsten 24 Stunden sollte die Scheibe nicht nass werden, damit der Kleber aushärten kann. Der komplette Austausch und die Scheibe kosteten 320 Soles, also rund 80 Euro.

Während der Arbeiten kam ich mit dem Ladenbesitzer und seiner Frau ins Gespräch. Ihre kleine Tochter saß neben uns auf dem Boden und machte Hausaufgaben. Die Frau wollte wissen, warum ich in Peru bin. Dass wir als Familie hierhergezogen sind, um hier zu arbeiten, überraschte sie erst einmal. Als ich dann Curahuasi erwähnte, war sofort klar, wovon ich spreche: Diospi Suyana kannten die beiden schon, ihre Tochter war dort behandelt worden.

Solche Gespräche erlebt man in der ganzen Region wirklich immer wieder. Es gibt so viele Menschen, die bereits mit Diospi Suyana Kontakt hatten oder zumindest davon gehört haben. Mich bewegt es jedes Mal aufs Neue, welchen Einfluss die Arbeit hier hat. Man steht dreieinhalb Autostunden von Curahuasi entfernt in einer riesigen Stadt (mit eigenen Krankenhäusern) in einem Laden und kommt auch hier direkt mit Diospi Suyana in Berührung. Sehr oft sogar, wie hier, durch eine persönliche Geschichte.

Mit der neuen Scheibe war der Tag aber noch nicht vorbei. Als Nächstes stand die Revisión técnica an, das peruanische Gegenstück zum TÜV. Bei der ersten Prüfstelle war allerdings Schluss, bevor es überhaupt losging. Wegen des Geländeschutzes vorne wollte man den Fortuner dort nicht abnehmen. Aber wie bei den Scheibenläden gab es auch hier gleich mehrere Prüfstellen in der Nähe. Also fuhr ich einfach eine Straßenecke weiter und versuchte es dort. Da war der Geländeschutz dann auf einmal gar kein Problem mehr, und nach etwa 20 Minuten hatte unser Fortuner die Prüfung bestanden.

Danach brauchte ich noch ein paar behördliche Dokumente. Zuerst musste ich die Gebühren bei der staatlichen Banco de la Nación einzahlen. Dort stand ich fast zwei Stunden in der Schlange. Mit den Belegen ging ich anschließend zum Kommissariat, wo noch eine kleine Besonderheit wartete: Die nötigen Formulare bekommt man nicht bei der Behörde selbst. Man muss sie vorher im Copyshop gegenüber kaufen und ausgefüllt mitbringen. Also noch einmal kurz über die Straße, Formulare besorgen und zurück zum Kommissariat. Dort ging es dann immerhin deutlich schneller, nach etwa einer halben Stunde war ich fertig.

Nach einem schnellen Mittagessen machte ich mich gegen 13:45 Uhr auf den Rückweg, wieder rund dreieinhalb Stunden durch die Anden, diesmal mit deutlich besserer Sicht. Kurz nach 17 Uhr war ich wieder bei Hannah und den Kindern: zwölf Stunden nach der Abfahrt, mit neuer Scheibe, bestandener Revisión técnica und den Dokumenten in der Tasche. Nach so einem Tag war ich ziemlich müde, aber auch glücklich und dankbar. Gott hat uns bisher immer mit allem versorgt, was wir brauchen, auch bei so praktischen Dingen wie einer neuen Windschutzscheibe.

 

 

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